Tarna

Die schroffe Küste von Tarna ist eine rauhe Einladung zum Anlegen, aber wenn der erfahrene Kapitän den Weg durch die Riffe gefunden hat, bietet sich ihm und seiner Mannschaft wahrhaft eine Landschaft von ebenfalls rauher aber klaren Schönheit.

Das nicht immer warme Klima läßt hier eine Vegetation gedeihen, die ihre Mischung an anderen Plätzen noch sucht. Vor allem durch den kürzlichen Ausbruch eines Vulkans weiter entfernt, jedoch quasi vor der Küste von Drasnien ist dieses Gewässer auch für andere Meeresbewohner interessant geworden. Kein Wunder, daß Tarna der Lieferant für maritime Genüsse bei Hofe ist. An manchen Buchten lassen sich Wale beobachten, die mit ihrem Nachwuchs im reichhaltigem Angebot des Meeres schmausen. Und so mancher Fischer erzählt von Delphinen, die seinem Boot vorauseilen und ihm so den Weg zu reichen Fischgründen zeigen. So ist es auch nicht verwunderlich, daß diese Tiere besonders geschützt werden.

Vor dem Riff steigt ein Lotse an Bord und führt die Schiffe durch die gefährlichen Stellen des Gewässers, doch der Lohn für dies Mühe erkennt jeder Ankommende sofort. Nach Durchquerung des Riffs ergießt sich die rauhe Schönheit in voller Pracht dem Betrachter.

Grüne Hügel erheben sich mit sattem, grünen Gras im Hintergrund der Hafenstadt Tarna. Der Hafen mit der Vorderstadt liegt eingebettet in kantigen Felsen. Der Hauptteil der Stadt liegt etwas erhöht und überblickt somit einen guten Teil der See.

Den Anfang macht das Hafenviertel. In manchen Städten völlig verrufen, ist es hier etwas anders. Nicht, daß es nicht dunkle Ecken geben würde. Der Großteil der Anlieger ist jedoch darauf bedacht, gute Geschäfte mit den Neuankömmlingen zu machen und legt aus diesem Grunde viel Wert auf ein vertrauenswürdiges Aussehen der Straße/n in der/n sie arbeiten. Und so passiert es, daß der vom Meer durchgerüttelten Passagier durch größtenteils saubere Straßen geht und ihm schon nahe der Mole freundliche Händler und Handwerker auf gute Geschäfte hoffend entgegen lächeln.

Eine Straße führt ein kurzes Stück zur oberen Stadt. Nach halber Strecke muß jeder durch das große Stadttor. Aus der Zeit als Tarna noch Hauptstadt war, ist dieses Tor geblieben. Dicke Torflügel aus Eiche, von den langen Jahren der Seeluft ausgesetzt fast schwarz, bilden einen Ehrfurcht gebietenden Eingang zur Stadt. Sollte ein Betrachter noch in Ehrfurcht versunken durch dieses Tor getreten sein, das nun schon so viele Jahre wacht, erwartet ihn auf der anderen Seite ein lustiges Treiben, wie in jeder Hafenstadt. Der Weg zum Markt ist gesäumt von Händlern und Handwerkern, die ihren Kollegen vom Hafen in nichts nachstehen wollen. Und so herrscht ein Handeln und Feilschen, das auf dem Markt zu seinem Höhepunkt kommt.

In der Mitte der Woche und zum Ende eine arbeitsreichen Woche strömen die Bauern aus den umliegenden Siedlungen herbei und verkaufen ihre Waren. Meist handelt es sich um Schafswolle und Kartoffeln. Einige Kräuterkundige bringen ihre Medizin ebenfalls zum Markt. Legendär ist das leicht goldfarbende Getränk, daß von fast jedem Bewohner der Grafschaft Tarna gebraut werden kann, dessen Rezept nie nach außen dringt. Und da jeder sein eigenes geheimes Rezept besitzt, daß von Vater zu Sohn vererbt wird, schmeckt auch jedes Getränk etwas anders. Im Volksmund wird es 'Wasser des Lebens' genannt und die Bauern schwören darauf, daß es gegen viele kleine Zipperlein helfen soll. Auf den Märkten wird es unter dem schönen Namen 'Glow' verkauft und findet unter Kennern reißenden Absatz.

Der Reisende kann von Tarna aus entweder an der Felsenküste entlang Richtung Fulstan oder er nimmt die Straße Richtung Portigat. Diese teilt sich noch einigen Kilometern, der linke Weg führt weiter an der Küste entlang durch Kotu nach Portigat, der rechte Weg führt durch Wald und Hügel Richtung Tarfing.

Zwischen Fulstan und Tarna Stadt mündet der Fluß Tarn. Bevor er sich ins Meer ergießt, durchquert er weiter im Inneren der Grafschaft den 'Verlorenen See', der seinen Namen einer alten Legende verdanken soll. In der Nähe dieses Sees liegt das Jagdschloß der Grafschaft, 'Schloß Tarna' , zu dem das kleine Dorf Marn gehört. Die östlichen und südlichen Ufer des Verlorenen Sees werden vom Mondscheinwald umrahmt. Viele Legenden ranken sich um diesen Wald, der an manchen Stellen sehr dicht ist.

An der südlichen Spitze des Waldes liegt das Dörfchen Midbom. Auch dieser Name scheint aus der alten Küstensprache zu stammen und bedeutet soviel wie 'Mitten im Baum'. Gemeint ist die große alte vom Blitz getroffene Eiche, die auf dem Dorfplatz steht. Diese Eiche soll zu Zeiten, als die Dorfgemeinschaft noch kleiner war, als Versammlungsort gedient haben. Im ausgebrannten Innern gibt es Platz für zehn Mann. Folgt man dem Waldesrand in westlicher Richtung, stößt man nach einigen Stunden auf einen Fluß, der in Tarna nur den Namen Silbertrail führt. Von diesem großen Fluß zweigt auch der etwas kleinere Tarn ab, bevor er kurze Zeit später zu dem See wird.

Das letzte Stück des Weges führt über die Feuerhügel und nach einen kleinen Stück Wald erreicht der Reisende Tarfing. Wer wissen möchte, warum die Feuerhügel diesen Namen tragen, sollte im Herbst diesen Landstrich bereisen. Die Hügel scheinen in einem warmen Rot zu brennen. Ursache ist die Heide, die auf diesen Hügeln wächst und alljährlich den Herbst 'erwärmt'.

Marktleben in Tarna
Fulstan in Tarna