Ante omnia cum elocutio - Drasnien
Das kleine, aber wohlhabende Drasnien gehört zu den wenigen Königreichen, mit
denen beinahe jedes andere Reich rege Handelsbeziehungen unterhält, dessen
Bewohner aber niemand sehr gern innerhalb der eigenen Grenzen weiß.
Dabei sind die Drasnier ein friedliches Volk, daß sich einer großen Toleranz
gegenüber anderen Rassen oder Völkern befleißigt.
Die ungewöhnlich hohe Abneigung anderer Länder gegenüber drasnischen Bürgern mag
darin begründet sein, daß König Karl Der Weise vor etwa 300 Jahren dem ohnehin
blühenden Gildewesen in Drasnien eine Gilde hinzufügte. Diese Gilde hatte es
immer schon gegeben (es gibt sie in jedem Reich), doch bewirkte Karl Der Weise
durch einen Erlaß eine spektakuläre Wandlung seines gesamten Herrschaftsbereiches:
Er erklärte die Gilde der Diebe und Assassine für
rechtmäßig und errichtete in seiner Hauptstadt Portigat eine Akademie, an der
alle drasnischen Bürger, die das Interesse und das nötige Kleingeld für die
Ausbildung aufbringen konnten, in den Bereichen Feilschen, Diebstahl, Einbruch,
Fallenkunde, Intrige, Spionage, Meuchelmord und noch einigen anderen wichtigen
Feinheiten eine außergewöhnlich umfassende Schulung erhalten konnten, die in
ihrer Gesamtheit 10 bis 11 Jahre dauern sollte.
In den folgenden Jahrzehnten zeigte es sich, daß ein hoher Prozentsatz der
Bevölkerung großes Interesse an der Akademie bekundete, und so kam es, daß es
heutzutage in Drasnien üblich ist, als Familie, die etwas auf sich hält, dem
Nachwuchs wenigstens für das Grundjahr (Feilschen und Taschendiebstahl) den
Besuch der Akademie von Portigat zu ermöglichen.
So nimmt es denn nicht Wunder, daß der soeben verwitwete, seit nunmehr 11 Jahren
amtierende König Karl Der Reiche seinem Sohn Inkognito eines Tages ein Reich
hinterlassen wird, dessen Wirtschaft erstaunlich krisenfest zu sein scheint.
Doch so sehr allenthalben geschätzt wird, daß es in den Häfen Drasniens (und
speziell im Hafen Portigats) nichts gibt, was sich nicht irgendwie besorgen
ließe, so bedarf das Tätigen eines Geschäftsabschlusses mit einem erfahrenen
drasnischen Händler einiger Unerschrockenheit.
Und obwohl die Bewohner Drasniens allerorten mit den gegen sie bestehenden
Vorurteilen zu kämpfen haben, gibt es doch kaum einen Hof, an dem nicht
mindestens einer von ihnen seine drasnischen Talente in den Dienst der Obrigkeit
gestellt hat .(Und mindestens ein weiterer arbeitet dort meist unerkannt im
Dienste König Karls Des Reichen).
Das Spionagenetz Drasniens ist unbeschreiblich dicht (wobei es sich wieder
einmal zeigt, daß es sich mehr lohnt, Fachleute aus- und weiterzubilden, als sie
strafrechtlich zu verfolgen!) und der drasnische Gildemeister Dubio ist durchaus
bereit, gegen entsprechende Entlohnung seine Erkenntnisse auch anderen
Herrschaftshäusern zugänglich zu machen- sofern dies nicht gegen die Interessen
Drasniens verstoßt, versteht sich.
Alles in allem haben die Besonderheiten im Bildungssysthem Drasniens dazu
geführt, daß fast alle Bürger dieses Landes sich einer gewissen finanziellen
Sorglosigkeit erfreuen können. Entsprechend wird das Königshaus von seinen
Untertanen treu geliebt - in der Tat sind beinahe alle Drasnier glühende
Patrioten!
Drasnische Nationalhymne
Ein König, dessen Herz aus Gold
Der Met so süß, die Frau'n so hold
Die Sonne scheinet ewig
Auf dich, mein Drasnisch' Land
Und zieh' ich in die Ferne Mal
Und wandere von Tal zu Tal
Mein Herze bleibet immer
Bei dir, mein Drasnisch' Land
Die Burschenschar von Portigat
So manchen großen Vorteil hat
Galant're gibt es keine
Als hier im Drasnisch' Land
Oh Ruhm und Ehre mehre sie
Die Drasnische Akademie
Im Land verborg'ner Künste
Oh du, mein Drasnisch' Land
