Marktleben in Tarna

An den Markttagen sind die Zufahrtswege zur Stadt Tarna bevölkert mit Bauern aus dem Umfeld. Jeder versucht früh in die Stadt zu kommen, um sich einen guten Platz für seine Waren zu sichern. Die Händler in der Stadt können es da etwas ruhiger angehen, da sie nicht den langen Weg von außerhalb haben. Und doch ist schon früh auf dem Marktplatz in der Mitte der Stadt ein geschäftiges Treiben.


Ab den frühen Morgenstunden war der Markt von Tarna schon voll mit Ständen, aber es strömen immer noch Leute von den Stadttoren zum Marktplatz. Seltsamerweise findet auch jeder noch einen Platz, um seine Waren auszubreiten. Die Händler der Stadt haben befestigte Stände, die Bauern vom Umland breiten zumeist Decken aus oder benutzen gleich ihren Karren als Stand.

Der Markt ist ein großer Platz, zu dem großen Straßen von den Stadttoren fast sternförmig zu laufen. Die Stände werden so zusammengestellt, daß sie kleine sich hin schlängelnde Gänge bilden. So können die Käufer an einer Ecke anfangen und sich leicht bis zum Ende bewegen ohne unnötige Wege zu machen. Die Gänge sind voll mit Ständen von Tuchhändlern, Gerbern, Webern und Filzern. Es wird Schmuck feilgeboten, wunderschöne Spitzen und schönes Schuhwerk. Alles was das Herz begehrt, kann hier erworben werden. Oft stehen Tische des selben Gewerbes zusammen oder wenigstens im gleichen Gang und jeder der Verkäufer preist wortgewandt seine Waren an, immer ein Auge auf die Konkurrenz habend. Über dem ganzen Markt hängt ein Duft aus allerlei Leckereien. An jeder Ecke findet ein anderer Geruch seinen Weg in die Nase und mitunter in den Magen.

Düfte von Gewürzen aus den südlichen Ländern, und von frischen Kräutern lassen vermuten wie mit ihnen angereicherte Gerichte wohl den Gaumen kitzeln würden. An manchen Ständen wird dieses Versprechen auch wahr gemacht. In den vielen Garküchen am Markt läßt jeder Geruch das Wasser im Gaumen zusammen laufen, so daß kaum jemand noch umhin kann, seinem Magen nachzugeben. Für jeden Geschmack ist etwas da, gut gewürztes Fleisch am Spieß, gegartes Gemüse oder Schupfnudeln in süß oder pikant. Natürlich darf auch der Bratapfel nicht fehlen. Besonders für Kinder ist er eine Leckerei und wird in vielen Variationen angeboten, mit Zimt, Mohn oder mit Zucker bestreut, mit Vanilliesoße, oder nur mit Butter und Zucker. Er ist auf jeden Fall immer ein Genuß, vorallem, wenn er von der bekanntesten Garküche Tarnas zubereitet wird, der Wirtin vom 'Fliegenden Fisch'.


Die Bauern verkaufen zumeist Wolle und Erzeugnisse von ihren Feldern und fast alle bieten auch ein hell gelbes Getränk an, daß sie unter sich 'Glow' nennen. Kommt ein Fremder dazu, wird es ihm als 'Wasser des Lebens' angepriesen und für wahr bei dem Geschmack möchte der geneigte Käufer es gerne glauben. Zuerst brennt es etwas auf der Zunge, aber danach rinnt es wie Öl, leicht und sanft, die Kehle herunter. Zurück bleibt ein wohliges Gefühl im Magen und ein wundervoll rauchiger Geschmack im Mund. Für kalte Tage auf Reisen, die unweigerlich irgendwann kommen, ist es ein vortreffliches Getränk. Viele Legenden ranken sich um die Entstehung dieses Getränkes und wohl auch um das, welches die Kräuterkundigen der Grafschaft zu verkaufen suchen.

Dies zweite vollmundige Getränk wird im Volksmund nur 'Alter Tarneser' genannt und wird gern von ihnen verabreicht, wenn der Magen Ärger macht. Aber auch ohne Beschwerden läßt sich damit gut ein Abend verbringen. Die Kräuterkundigen schwören darauf und so haben ihre Kunden keinen Grund es nicht zu tun. So ist für das leibliche Wohl der Käufer gesorgt. Und auch die Wünsche der Käufer können zumeist befriedigt werden. Es gibt auf den Märkten von Tarna und auch Portigat nichts, was nicht besorgt werden kann. Natürlich hat alles seinen Preis und feilschen und handeln gehört auf diesen Märkten einfach dazu. Wessen Beine zu müde werden und wer gern einer guten Geschichte lauscht, sitzt bald im Kreise anderer Gleichgesinnter und hört gespannt den Erzählungen eines Geschichtenerzählers zu. Derer sind immer drei bis vier auf dem Markt anwesend. Mandragon ist der bekannteste unter ihnen. Da er schon ein wenig in die Jahre gekommen ist, bleibt er auch meist das ganze Jahr in der Stadt, doch die anderen begeben sich häufig auf Reisen in die restliche Grafschaft. Sie bereisen die Dörfer und Siedlungen bringen Geschichten und auch die Neuigkeiten aus der Stadt zur Landbevölkerung. In den letzten Jahren bereisen sie nun auch oft das ganze Land, wobei Darkmoor eine besondere Aufmerksamkeit zu genießen scheint. Sie bringen nicht nur Geschichten ins Land, sondern kommen auch immer mit neuen Geschichten zurück die auf den Märkten wieder viel Gehör finden.


Irgendwann am späten Nachmittag werden die Stände angebaut und die Händler begeben sich nach Hause. Die meisten Bauern gehen bereits früher, da sie meistens einen längeren Heimweg haben. In den meisten Fällen sind sie auch ihre Waren losgeworden. Und so geht ein geschäftiger Tag zu Ende.